<MITGERJU Verkostung>_ Eine Vertrauensprobe
︎EN
Pilseungsa
in Sewoon Sangga, Seoul, Südkorea.
20.02 - 22.02.2025

In diesem Projekt habe ich selbst einen Alkohol hergestellt. "Makgeolli" ist ein traditioneller koreanischer Alkohol, der durch Fermentation von Reis entsteht. Ich lud die Besucher:innen zu einer Verkostung dieses „MITGERJU“ ein. Vor der Verkostung müssen sie jedoch einen Vertrag unterschreiben, der humorvoll, aber auch provokativ darauf hinweist, dass der Konsum auf eigene Verantwortung erfolgt. Diese ironische, fast absurde Vereinbarung weckt bei vielen zunächst Misstrauen gegenüber dem Getränk.
Die Besucher:innen erhalten dann den Alkohol und müssen selbst entscheiden, ob sie ihn trinken möchten. Im Ausstellungsraum sind Werbeplakate platziert, die auf übertriebene Weise die Vertrauenswürdigkeit des Getränks betonen. Gleichzeitig sitze ich selbst auf einer erhöhten Position und wirke wie ein Sektenführer, der die Besucher:innen zum Trinken auffordert. Doch gerade dieser performative Druck führt oft dazu, dass die Besucher:innen beginnen, das Getränk und die Situation kritisch zu hinterfragen: Kann man diesem „MITGERJU“ wirklich vertrauen?
Diese übertriebenen Werbeslogans sind eine Parodie auf die oft irreführende Werbung, die in koreanischen Restaurants zu finden ist. Gleichzeitig spiegelt meine Rolle als scheinbarer Sektenführer auch die aktuelle politische Situation in Südkorea wider, in der der Einfluss von Aberglauben und Fake News zu gesellschaftlichen Spaltungen führt.











Der Begriff „MITGERJU“ spielt auf das koreanische Internet-Meme „MITGER“ an, das beschreibt, wie Menschen bestimmte Gruppen oder Informationen aufgrund von Vorurteilen oder sozialen Normen ausschließen. Dies verdeutlicht, dass Filterung nicht nur ein technischer Prozess ist, sondern auch soziale Ausgrenzung und Bestätigungsfehler verstärken kann.
In früheren Arbeiten habe ich durch Farbumschläge das Aussehen von Wasser verändert. In diesem Projekt gehe ich einen Schritt weiter, indem ich Wasser in Alkohol verwandle – eine Metapher für die Veränderung von Überzeugungen nach einer Filterung. Durch diese partizipative Performance wollte ich herausfinden, ob die Besucher:innen bereit sind, alltägliche Selbstverständlichkeiten – wie das Essen oder Trinken in einem Museum – kritisch zu hinterfragen. Es geht nicht darum, Antworten zu geben, sondern gemeinsam darüber nachzudenken, wie unser Vertrauen entsteht und wodurch es beeinflusst wird.
Nach dem Konsum des „MITGERJU“ geben die Besucher:innen eine Bewertung ab – ähnlich den Sternebewertungen, die heute oft als Vertrauensindikator gelten. Zusätzlich ziehen sie eine Frage aus einem Pool von 22 Fragen, die sich mit Vertrauen und Zweifel auseinandersetzen, und beantworten diese in einem kurzen Fragebogen.


